Wer Spanisch sprechen kann, der kann auch argentinisches Spanisch verstehen – so könnte man meinen. Doch wenn ein Franzose, der in der Schule Deutsch gelernt hat, ein Austauschjahr in Bayern verbringt, dann hat er wohl ein sprachliches Problem. Nicht dass Argentinien das Bayern Lateinamerikas wäre, aber um den Akzent dieses Landes besser zu verstehen, sollte man einen Blick in den Sprachführer „Spanisch für Argentinien“ aus der Kauderwelsch-Reihe des „Reise Know-How“ Verlags werfen.
Im Gegensatz zum „spanischen Spanisch“ werden in Argentinien die Laute „z, ce und ci“ nicht gelispelt oder wie das englische „th“ ausgesprochen. Für eine Reihe Deutscher eine gute Nachricht, denn wer hat sich schon im Englischunterricht auf das Vorlesen von Sätzen wie „Though some things are sad and suspicious“ gefreut. Aber auch die spanische Aussprache der Stadt „Barcelona“ lässt so manchem beim Versuch die Zunge verknoten.
Ob es wohl Argentiniern Probleme bereitet, über „Barcelona“ zu plaudern? Schließlich spielten viele berühmte argentinische Fußballspieler im Dienste des FC Barcelona, wie etwa der wohl bekannteste Kicker aller Zeiten: Diego Maradona. Aber auch aktuell steht mit Lionel Messi ein argentinischer Weltstar in den Reihen des spanischen Fußballclubs. Geboren wurde Messi in Rosario, der drittgrößten Stadt im Nordosten des Landes. Ein weiterer aus Rosario stammender Star ist der Schlagersänger Semino Rossi, der mittlerweile auch in Deutschland bekannt ist.
Der ehrliche Blick von Semino Rossi, den er beim Trällern seiner Songs aufsetzt, ist übrigens eindeutig argentinischen Ursprungs. Denn bei den stundenlangen und lautstarken Diskussionen auf den Straßen Argentiniens blicken sich die Kontrahenten direkt in die Augen. Ein schüchternes Abwenden des Gesichts wird laut dem Kauderwelschen Sprachführer als „interessiert mich nicht, was du zu sagen hast“ interpretiert. Wenn ein Argentinier eine hübsche Frau sieht, pfeift er ihr gern hinterher, das gilt durchaus als Kompliment. Vor Nachahmung warnt der Sprachführer aber trotzdem: „Man könnte an die Falsche geraten“ und diese einem schon einmal ein gepfeffertes „¡Idiota!“ hinterher schleudern.
Man lernt also auch etwas über die Sitten und Gebräuche Argentiniens. Hauptaspekt des Buches ist natürlich trotzdem das Erlernen des argentinischen Spanisch und zwar „Wort für Wort“. „In fast allen herkömmlichen Lehrbüchern ist zu viel Grammatik enthalten, die man in der Umgangssprache nicht benötigt, und die mündliche Konversation kommt viel zu kurz.“ So beschreibt der Autor Dr. med. O´Niel V. Som die Idee des Buches: es liefert zahlreiche Sprachbeispiele aus dem alltäglichen Umgang mit Menschen, viele Gespräche, Tipps und Floskeln.
So ist dieser Sprachführer ein guter Anfang für das Erlernen des Spanisch Argentiniens. Der nächste Schritt kann dann nur eine Reise ins Land selbst sein, den Menschen direkt in die Augen blicken und einfach ausprobieren!